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Zuckerprotektionismus 1Ursprünge und Monopolgesetze, 1876–1911
Artikel Nr. 3049 Gesetz, Stadtrecht oder Dekret Bd. III · S. 281–283 5 Min. Lesezeit

Zuckerprotektionismus

Originaltitel: Proteccionismo Sacarino

Überblick über die protektionistischen Gesetze für Madeiras Zuckerrohranbau und Zuckerindustrie von 1876 bis 1922, einschließlich des 1904 an Hinton & Sons und José Júlio de Lemos vergebenen Monopols und seiner Folgen für Erzeuger und Verbraucher.

Zuckerprotektionismus

1Ursprünge und Monopolgesetze, 1876–1911

Die Gesetze vom 4. Februar 1876, 18. Mai 1881 und 22. März 1886 befreiten den nach Portugal und auf die Azoren eingeführten madeirischen Zucker von Zöllen, die beiden ersten für fünf Jahre, das letzte für drei Jahre. Der eigentliche Zuckerprotektionismus begann jedoch erst mit dem Dekret vom 30. Dezember 1895. Es verpflichtete die Fabriken, die sich eintragen ließen, den Landwirten das Zuckerrohr zum Preis von 400 und 450 Réis (alte portugiesische Rechnungsmünze; 1$000 = 1000 Réis, 1:000$000 = ein Conto = 1 000 000 Réis) je 30 Kilogramm zu bezahlen. Zum Ausgleich für diese Last gewährte es denselben Fabriken das Vorrecht, für die zur Herstellung von Alkohol für Weine eingeführte Melasse einen Zoll von 30 Réis statt 60 Réis je Kilogramm zu entrichten. Der Zucker Madeiras, der nach den Vorbestimmungen des Zolltarifs von 1892 auf dem Festland und auf den Azoren ein Viertel des Satzes zahlte, wurde von dieser Abgabe befreit.

Das Dekret vom 24. September 1903 erhöhte die Mindestpreise für 30 Kilogramm Zuckerrohr um 50 Réis, im Austausch gegen neue Zugeständnisse an die Fabriken. Das Gesetz vom 24. November 1904 schließlich machte die Zucker- und Alkoholindustrie auf Madeira zu einem regelrechten Monopol und übertrug ihre Ausübung den eingetragenen Fabrikanten W. Hinton & Sons und José Júlio de Lemos.

Das erwähnte Dekret von 1903 senkte den von den Fabrikanten zu zahlenden Zoll auf ausländische Melasse von 30 auf 6 Réis je Kilo. Zugleich räumte es ihnen „die Befugnis ein, aus diesem Rohstoff vor der Destillation des Alkohols für Weine den wenigen noch verwertbaren Zucker zu gewinnen, der auf Madeira verbraucht werden sollte. Dieser jedoch sollte von der Gesamtmenge des aus dem Zuckerrohr gewonnenen Zuckers abgezogen werden; würde der abgezogene Teil, statt auf der Insel verkauft zu werden, ebenfalls ausgeführt, so hätte er in den Bestimmungszollämtern die Zölle und übrigen allgemeinen Steuern zu entrichten“.

Durch diesen Erlass verlor der madeirische Zucker den freien Zugang zu den Azoren, wohin bis 1903 einiges davon ausgeführt worden war.

Das durch das Gesetz vom 24. November 1904 errichtete Monopol, das das Gesetz vom 9. September 1908 nicht wesentlich veränderte, sollte 15 Jahre dauern. Die Firma W.m Hinton & Sons erhob jedoch Einspruch gegen eine Bestimmung der Durchführungsverordnung vom 11. März 1909, die den Verkauf von Alkohol zur Weinbehandlung beschränkte. Nach langen, zähen Verhandlungen sah sich die Regierung daher gezwungen, das Dekret vom 11. März 1911 zu erlassen, das die durch die Forderungen dieser Firma geschaffene heikle Lage bereinigen sollte.

Der Einspruch, von dem wir sprechen, blieb nicht der letzte. Berühmt wurde vor allem jener, der aus dem Bekanntwerden der Bestimmung in Grundsatz 23 des Gesetzes vom 15. August 1914 hervorging, wegen des Aufsehens, das er im ganzen Land erregte.

2Das Dekret von 1911 und seine Folgen

Das Dekret vom 11. März 1911 legte vier Zonen fest, die sich nach dem Zuckergehalt des Zuckerrohrsafts richteten. Es behielt die Preise von 450 bis 500 Réis (alte portugiesische Rechnungsmünze; 1$000 = 1000 Réis, 1:000$000 = ein Conto = 1 000 000 Réis) aus dem Dekret von 1903 bei und erklärte den für das portugiesische Festland bestimmten madeirischen Zucker für frei von jeglichen Abgaben. Ausländischer Zucker wurde erneut besteuert, und den eingetragenen Fabriken (fábricas matriculadas) wurde gestattet, jährlich bis zu 550 Tonnen Zucker aus den Kolonien mit einer Ermäßigung von 50 Prozent auf die entsprechenden Zölle einzuführen.

Den eingetragenen Fabriken wurden weitere Zugeständnisse gemacht. Dasselbe Dekret, das bis zum 31. Dezember 1918 gelten sollte, legte jedoch fest, dass die zum Verschneiden der Weine benötigte Alkoholmenge 55 Liter je Pipa (Weinfass und Hohlmaß, etwa 400–500 Liter) von 500 Litern betragen sollte.

Die Ausführungsverordnung zum Dekret mit Gesetzeskraft vom 11. März 1911 wurde durch das Dekret vom 15. Mai 1912 genehmigt.

Zwar hatte die frühere Companhia Fabril de Açúcar Madeirense 1872 Preise von 550, 600 und 650 Réis für je 30 Kilogramm Zuckerrohr festgesetzt, doch ist bekannt, dass sich diese Preise nicht hielten. Bevor die Schutzzollpolitik verordnet wurde, verkaufte man das Rohr nur selten für mehr als 300 oder 320 Réis.

Unter den Schutzgesetzen, die wir erwähnt haben, verbesserte sich die Lage vieler Grundbesitzer und Landwirte erheblich, da der Anbau von Zuckerrohr weit einträglicher geworden war. Weil diese Gesetze jedoch nicht auch den Zuckerpreis festlegten, verteuerte sich dieses unentbehrliche Grundnahrungsmittel auf Madeira ständig. Es kam sogar zu dem recht merkwürdigen Fall, dass die Raffinerien auf dem Festland lange Zeit madeirischen Zucker zu niedrigeren Preisen kauften als die Verbraucher in Funchal.

3Liberalisierung nach 1919

Die Zuckerherstellung wurde durch das Dekret Nr. 5492 vom 2. Mai 1919 mit Wirkung vom 1. Januar 1920 für frei erklärt. Dieses Dekret enthält jedoch neben einigen Bestimmungen von offenkundigem Nutzen auch andere, die – wie wir bereits auf S. 226 des 1. Bandes dieses Werkes ausgeführt haben – weder der Industrie noch der Landwirtschaft zusagten. Das Dekret Nr. 6521 vom 9. April 1920 änderte einige dieser Bestimmungen oder hob sie auf. Schließlich übertrug das Dekret Nr. 8089 vom 3. April 1922 die Durchführung des Zuckerregimes (regímen sacarino, gesetzliche Regelung der Zucker- und Alkoholerzeugung) auf Madeira der Landwirtschaftlichen Station der 9. Region (Estação Agrícola da 9.ª Região); ausgenommen waren die [Steuern auf] Zucker und Alkohol, die dem Finanzministerium vorbehalten blieben. Die technische Aufsichtskommission für das Zuckerregime auf Madeira besteht nach demselben Dekret aus dem Direktor der Landwirtschaftlichen Station der 9. Region, dem Ingenieur des Industriebezirks (Circunscrição Industrial) und dem Leiter des Distriktsamts für Aufsicht (Repartição Distrital de Fiscalização).

Im Mai 1922 versuchte man, das Schutzzollsystem wiederzubeleben oder zumindest einen auskömmlichen Preis für das Zuckerrohr zu sichern; im Gegenzug sollten die ehemaligen eingetragenen Fabriken (fábricas matriculadas) den Zucker zum Preis von 1,65 Escudos (portugiesische Währung ab 1911: 1 Escudo = 100 Centavos = 1000 Réis) verkaufen dürfen. Anfangs schien die Sache gut auf den Weg gebracht; die Regierung untersagte sogar die Zollabfertigung von rund 600 Tonnen Zucker aus Brasilien. Am Ende wurde jedoch nichts in dem von den Eigentümern dieser Fabriken gewünschten Sinne verfügt. Dazu trug wesentlich der Kampf bei, den eine bedeutende Zeitung der Hauptstadt gegen dieses Ansinnen führte, ebenso wie verschiedene Bevölkerungsgruppen Madeiras, die nicht von der Landwirtschaft leben und nur wünschen, dass der Zucker zu Preisen verkauft wird, die sich jeder leisten kann.

In diesem Artikel

Zeit

Erwähnte Jahre · 15
  1. Die Companhia Fabril de Açúcar Madeirense setzte die Zuckerrohrpreise auf 550–650 Réis je 30 kg fest.

  2. Ein Gesetz befreite madeirischen Zucker für fünf Jahre von Zöllen in Portugal und auf den Azoren.

  3. Ein Gesetz verlängerte die fünfjährige Zollbefreiung für madeirischen Zucker.

  4. Ein Gesetz gewährte madeirischem Zucker eine dreijährige Zollbefreiung.

  5. Ein Erlass leitete die protektionistische Zuckerregelung ein: Er schuf eine freiwillige Registrierung für Zucker- und Alkoholfabriken und legte für registrierte Fabriken Mindestpreise von 40–45 Centavos je 30 kg Zuckerrohr fest.

  6. Ein Erlass änderte die Zuckerregelung von 1895: Er erhöhte die Mindestpreise für Zuckerrohr und senkte den Zoll auf ausländische Melasse auf 6 Réis je Kilogramm.

  7. Ein Gesetz stärkte und änderte die Zuckerregelung Madeiras und begründete ein Zucker- und Alkoholmonopol für Hinton & Sons und José Júlio de Lemos.

  8. Das Parlament verabschiedete eine neue Zuckerregelung für Madeira, die das Zuckermonopol weitgehend unverändert ließ.

  9. Die erste Weinverordnung für Madeira wurde erlassen. Sie begrenzte die Abgabe von Alkohol für die Weinbereitung auf 50 Liter je 500 Liter Wein; Hinton & Sons focht sie an.

  10. Nach der Hinton-Frage ersetzte ein Dekret das Zuckergesetz von 1908, führte eine neue, bis 1918 geltende Zucker- und Alkoholregelung ein, regelte Branntwein und Brennereien und schuf den Landwirtschaftsrat von Madeira sowie die Estação Agrária.

  11. Die Durchführungsbestimmungen zum Dekret von 1911 änderten die Ziele und die Zusammensetzung des Landwirtschaftsrats und übertrugen ihm zusätzlich Aufgaben in der Forstwirtschaft und im Tourismus.

  12. Ein Gesetz zur Zuckerwirtschaft wurde erlassen, dessen Artikel 23 eine landesweite Kontroverse auslöste, die als Hinton-Frage bekannt wurde.

  13. Dekrete, darunter das Dekret 5492 vom 2. Mai, beendeten das Zuckermonopol und gaben die Zuckerherstellung ab dem 1. Januar 1920 frei.

  14. Das Dekret 6521 änderte das Zuckerdekret von 1919.

  15. Das Dekret Nr. 8089 legte die Aufgaben der Landwirtschaftsstation der 9. Region fest und übertrug ihr das Vermögen, die Versuchsstationen, die Forstaufsicht und die Zuständigkeit für die Zuckerwirtschaft des aufgelösten Landwirtschaftsrats.

  16. Ein Versuch, den Schutz der Zuckerwirtschaft auf Madeira wieder einzuführen, scheiterte.

Ort

Erwähnte Orte · 04

Ausland

Karte: Madeira (4)
  1. Azoren

    Portugal. Absatzmarkt für madeirischen Zucker, der dort 1903 die zollfreie Einfuhr verlor.

  2. Brasilien

    Brazil. Herkunftsland von etwa 600 Tonnen Zucker, deren Zollabfertigung 1922 verboten wurde.

  3. Funchal

    Die Verbraucher in Funchal zahlten für madeirischen Zucker mehr als die Raffinerien auf dem portugiesischen Festland.

  4. Portugal

    Festländischer Absatzmarkt, auf den madeirischer Zucker dank Steuerbefreiungen ausgeführt wurde.

Personen

Erwähnte Personen · 01
  1. Registrierter Zuckerhersteller, der sich das madeirische Zucker- und Alkoholmonopol von 1904 mit W. Hinton & Sons teilte.

Auf dem Bogen P

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