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Stuebel (Dr. Alphons) 1Stuebel und seine Reliefkarte von Madeira
Artikel Nr. 3545 Wissenschaftler oder Naturforscher Bd. III · S. 587–590 8 Min. Lesezeit

Stuebel (Dr. Alphons)

Eintrag über den deutschen Vulkanologen Alphons Stuebel aus Dresden, der Madeira 1862–63 untersuchte und eine geologische Reliefkarte der Insel anfertigte, die heute im Museum des Seminars von Funchal aufbewahrt wird. Der Eintrag gibt durch Vermittlung von Padre Ernst Schmitz Stuebels Auffassung wieder, dass Madeira aus zwei miteinander verbundenen Eruptionszentren entstand: der Caldera von Curral das Freiras und der Kuppel von Paul da Serra.

Stuebel (Dr. Alphons)

1Stuebel und seine Reliefkarte von Madeira

Als wir die Geologie Madeiras behandelten, wurde aus bloßem Versehen der Artikel nicht erwähnt, den Padre Ernesto Schmitz über Dr. Alphons Stuebel verfasst hat. Dem dort Gesagten sind daher die maßgebliche Auffassung dieses bedeutenden deutschen Naturforschers und die nicht minder treffenden Betrachtungen des ehemaligen Lehrers der Naturwissenschaften an unserem Diözesan-Priesterseminar hinzuzufügen, die den genannten Artikel begleiten.

Groß ist die Meinungsverschiedenheit, zumindest in Nebenfragen, unter den Geologen, die sich im Laufe des 19. Jahrhunderts eingehender mit der Entstehung der Insel Madeira befasst haben. Doch wie aus dem Zusammenprall von Körpern und ihrer gegenseitigen Reibung oft Funke und Licht entstehen, so ist zu erwarten, dass auch in dieser Frage mehr Licht entstehen wird, je mehr sachkundige Männer nach gewissenhaften Studien ihre Meinung äußern – selbst wenn sie anfangs zu abweichenden Ergebnissen gelangen.

In Portugal hinreichend bekannt sind die Ansichten von Luís da S. Mousinho de Albuquerque, Dr. J. Macaulay, Sir Charles Lyell, Dr. Oswald Heer aus Zürich und vor allem von Dr. G. Hartung, der das Thema von allen am ausführlichsten in seinem Buch Madeira & Porto Santo usw., Leipzig, Engelmann, 1864, behandelt hat. Doch nur sehr wenige derer, die sich für die Geologie der portugiesischen Gebiete interessieren, dürften die ausdauernden und gewissenhaften Studien kennen, die Dr. Alphons Stuebel aus Dresden über Madeira angestellt hat. In den Jahren 1862 und 1863 hielt er sich auf Madeira auf. Nach eingehenden und langwierigen Beobachtungen und Geländeerkundungen fertigte er die geologische Karte Madeiras an – nicht auf Papier, sondern als Relief aus Modelliermasse. Darauf sind mit größter Deutlichkeit alle Erhebungen und Senken, erloschenen Krater, Bäche, Levadas (Bewässerungskanäle), Ortschaften usw. dargestellt, alles im Maßstab 1 : 55.000, sodass die Karte über einen Meter lang ist und eine entsprechende Breite hat.

Diese einzigartige Karte Madeiras befindet sich im Museum des Priesterseminars von Funchal (Museu do Seminário do Funchal) und vereint auf bewundernswerte Weise die Vorzüge von Wissenschaft und Kunst; alle dienen dem Zweck, das Studium der Geologie und insbesondere der Vulkanologie zu erleichtern und zu fördern.

Gewiss muss die Meinung eines Mannes nicht wenig Gewicht haben, dessen ganzes Leben der Vulkanologie gewidmet war und dem ein großes Vermögen erlaubte, die interessantesten Vulkangebiete unseres Erdballs de visu zu studieren. Deshalb glauben wir einen Dienst zu leisten, wenn wir diese Auffassung von Dr. Stuebel bekannter machen. Er hat sie in großen Zügen in seinem monumentalen Werk Die Vulkanberge von Ecuador dargelegt sowie in dessen Teil Ueber des Wesen des Vulkanismus, der gesondert in Berlin bei A. Asher & Co., 1897, erschien.

2Zwei Eruptionszentren

Ein Beispiel für die enge Verbindung zweier monogener vulkanischer Erhebungen (das heißt solcher, die auf eine einzige vulkanische Ursache zurückgehen, auch wenn diese sich in großen zeitlichen Abständen äußert) bietet in sehr viel größerem Maßstab als der Pichincha in Ecuador die Insel Madeira. Die gesamte Masse ihrer Berge, die sich auf einer Länge von nahezu 60 Kilometern und einer Breite von 15 bis 20 bis zu einer Höhe von 1800 Metern erhebt, war schlicht das Erzeugnis zweier Eruptionszentren. Und beide waren, wie sich aus der Art ihrer Verbindung mit großer Sicherheit schließen lässt, zur gleichen Zeit tätig.

„Die ausgedehntere und höhere dieser beiden monogenen Bauten ist eine calderaförmige Erhebung, die mehr als zwei Drittel der Insel einnimmt. Die eigentliche Caldera, die fast im Zentrum der Gesamtmasse liegt, hat einen Durchmesser von nahezu 4 1/2 Kilometern und eine Tiefe von 1200 Metern. Ein ausgedehntes Tal (der einstige Krater), das in seinem untersten Teil sehr eng wird und in eine Schlucht übergeht und auf einer Länge von 11 Kilometern ein Gefälle von 600 Metern hat, entwässert diese Caldera, die Curral das Freiras (‚Pferch der Nonnen‘) heißt. Unter den vielen Gipfeln, die die Caldera umgeben, ist der Pico Ruivo (‚rötlicher Gipfel‘) mit (1850) Metern der höchste und überhaupt der höchste Punkt der Insel. Vom Rand der Caldera erstrecken sich gewaltige Bergrücken nach allen Richtungen. Obwohl diese nach Ausdehnung, Aufbau und Gestalt sehr verschieden sind, gewinnt der Beobachter den Eindruck, dass sich in diesem Hauptteil der Insel in großen Zügen ein symmetrischer Bau findet, ein Erzeugnis der vulkanischen Kräfte. „Ganz anders stellt sich die zweite Masse der Insel dar, die von weit geringerer Ausdehnung, aber nur 300 Meter niedriger als die erste ist. Es ist eine kuppelförmige Erhebung, die an ihrer höchsten Stelle, wo man einen Krater erwarten müsste, abgeflacht ist; sie bildet eine Hochebene von mehr als 3 Kilometern Durchmesser, die Paul da Serra (‚Bergsumpf‘) heißt.

Die beiden Eruptionszentren mit ihren aufgetürmten Massen liegen einander so nahe, dass ihre Gesteine sich nicht nur berühren, sondern bis zu einem gewissen Grad sogar ineinandergreifen. Die Grenze der beiden Massen ist noch deutlich sichtbar. Sie wird von zwei sehr tiefen, in entgegengesetzter Richtung verlaufenden Tälern gekennzeichnet: dem Tal von São Vicente (‚heiliger Vinzenz‘) nach Norden und dem der Ribeira Brava (‚wilder Bach‘) nach Süden. Die Quellgebiete dieser Täler, die sich durch Erosion erweitert und in Calderen mit mehreren Verzweigungen verwandelt haben, trennt nur eine verhältnismäßig sehr dünne, aber hohe Wand. Diese Art Grat, reich an Gipfeln, verbindet die Hochebene des Paul da Serra mit der Westwand der Caldera von Curral das Freiras.

„Trotz aller Ähnlichkeit, die die Täler von São Vicente und der Ribeira Brava durch ihre calderaförmigen Erweiterungen mit der großen Caldera von Curral das Freiras aufweisen, ist ihre Bedeutung für den geologischen Bau der Insel grundlegend verschieden. Sie sind lediglich durch Erosion erweiterte Räume zwischen Hügeln, während das Tal von Curral das Freiras einen echten Krater bildet und der Bach des Curral oder Ribeira dos Socorridos (‚Bach der Geretteten‘) sich den Weg bis zu diesem wahren Eruptionszentrum bahnt.

„Wir bestehen auf der notwendigen Unterscheidung hinsichtlich der Entstehung dieser Täler gerade deshalb, weil Sir Charles Lyell sie in seiner Beschreibung der Insel Madeira (Elements of Geology) unterlassen hat.

„Während diese beiden Eruptionszentren nahezu die gesamte Masse der Insel bei ihrer Erhebung über den Meeresspiegel auftürmten, scheinen auch einige Nebenzentren tätig gewesen zu sein, von denen sichtbare Spuren erhalten sind. Vor allem an den hohen, steilen Küsten des Nordens wird dies deutlich. Insbesondere betrachten wir die Penha de Águia (‚Adlerfels‘) als bedeutenden Rest eines alten, zerstörten Kraters.

3Kleinere Krater und Vergleiche

„Außerdem besitzt die Insel, deren vulkanische Tätigkeit längst erloschen ist, einige gut erhaltene, wenn auch kleine Kraterbildungen. Ihre Lage und ihre Verbindung mit der Hauptmasse der Insel machen es mehr als wahrscheinlich, dass der Herd ihres spärlichen Auswurfmaterials in der Inselmasse selbst zu suchen ist und nicht in den unermesslichen Tiefen unter ihr, aus denen die Insel selbst hervorgegangen ist. Wir erinnern etwa an den flachen Krater des Teiches (lagoa) im Bergland von Santo António am äußersten Ostende der Insel sowie an die kleinen Eruptionskegel und Lavaströme, die die Basis der Hochebene oberhalb von Porto Moniz am äußersten Nordwestende der Insel bilden.

„Wir wollen hier nicht im Einzelnen auf den tektonischen Aufbau der vulkanischen Bergketten und ihrer Verzweigungen eingehen. Doch möchten wir bemerken, dass die Hänge der Bergketten und der Lombos nahezu dieselben Neigungswinkel aufweisen wie die der vulkanischen Gebirge Ecuadors. Wie dort bewahren auch hier die Ausläufer, die von der zentralen Masse strahlenförmig nach allen Richtungen auseinanderlaufen, in ihrem oberen Teil weitgehend die Waagerechte, fallen aber zu ihrem Fuß hin in sehr steilen Hängen ab.

„Diese hier nur umrissene topographisch-genetische Beschreibung Madeiras ist sehr gut auf der Karte dargestellt, die Jakob Melchior Ziegler auf der Grundlage eigener und fremder Studien und Zeichnungen entwarf, ebenso auf einer Reliefkarte, die im Geologischen Institut der Universität Berlin aufbewahrt wird.

„All unsere Theorien über das Wesen des Vulkanismus wurden uns zuerst durch die geologische Untersuchung der Insel Madeira eingegeben und bald darauf durch die der Kapverdischen Inseln bestätigt. Wir wollten sie jedoch nicht veröffentlichen, solange wir sie nicht auch durch die Untersuchung anderer vulkanischer Gebiete bestätigt fanden. Diese Bestätigung fanden wir vor allem in Südamerika. Äußere Umstände verhinderten lange Zeit die Veröffentlichung der Ergebnisse unserer Studien. Heute, nach mehr als 20 Jahren, haben wir uns entschlossen, sie wenigstens teilweise zu veröffentlichen.

Eine gewisse Ähnlichkeit mit Madeira zeigt in ihrer Gestalt die Insel Teneriffa, die allerdings mehr als die doppelte Fläche misst. Diese Ähnlichkeit rührt vor allem daher, dass auch Teneriffa aus zwei Teilen besteht, die genetisch zu trennen sind, obwohl sie tektonisch miteinander verbunden und verflochten sind.

Auch auf Teneriffa sehen wir eine calderaförmige Erhebung, verbunden mit einer ausgedehnten, abgeflachten Erhebung ohne Krater. Doch stehen diese beiden Teile nicht im gleichen Verhältnis zueinander wie auf Madeira die Caldera des Curral zur Kuppel des Paul da Serra. Auf Teneriffa ist der Teil mit der Caldera so ausgedehnt und so hoch, dass der Rest nur als seitliches Anhängsel, als Nebenglied erscheint, was auf Madeira nicht der Fall ist.“

In diesem Artikel

Zeit

Erwähnte Jahre · 03
  1. Alphons Stuebel hielt sich auf Madeira auf, um dessen Geologie zu untersuchen, und fertigte eine geologische Reliefkarte an.

  2. Georg Hartung veröffentlichte seine geologische Beschreibung Madeira & Porto Santo in Leipzig.

  3. Alphons Stuebels „Ueber das Wesen des Vulkanismus“ erschien in Berlin.

Ort

Erwähnte Orte · 13

Ausland

Karte: Madeira (12)
  1. Curral das Freiras

    Câmara de Lobos. Von Stuebel als Hauptkrater und wichtigstes Eruptionszentrum der Insel bezeichnet.

  2. Dresden

    Germany. Stuebels Heimatstadt.

  3. Lagoa da Serra de Santo António

    Flacher Kratersee, der als gut erhaltener kleiner Krater im Osten angeführt wird.

  4. Museum des Priesterseminars von Funchal

    Funchal. Bewahrt Stuebels geologische Reliefkarte von Madeira auf.

  5. Paul da Serra

    Ponta do Sol. Abgeflachte Kuppel, die das zweite Eruptionszentrum bildet.

  6. Penha de Águia

    Santana. Wird von Stuebel als Überrest eines zerstörten Nebenkraters angesehen.

  7. Pichincha

    Ecuador. Ecuadorianischer Vulkan, der mit Madeira verglichen wird.

  8. Pico Ruivo

    Santana. Höchster Punkt der Insel, unter den Gipfeln, die die Caldera umgeben.

  9. Porto Moniz

    Oberhalb davon liegen kleine Eruptionskegel und Lavaströme.

  10. Ribeira Brava

    Südliches Tal, das die Grenze zwischen den beiden Vulkanmassen bildet.

  11. Ribeira dos Socorridos

    Câmara de Lobos · Funchal. Bach, der den Krater von Curral das Freiras entwässert.

  12. São Vicente

    Nördliches Tal, das die Grenze zwischen den beiden Vulkanmassen bildet.

+ 1 weitere

Personen

Erwähnte Personen · 08
  1. Deutscher Vulkanologe aus Dresden, der Madeira 1862–63 untersuchte und eine geologische Reliefkarte der Insel anfertigte.

  2. Charles Lyell1797–1875

    Britischer Geologe, dessen Beschreibung Madeiras in Elements of Geology Stuebel kritisiert.

  3. Ernst Schmitz1845–1922

    Ehemaliger Lehrer für Naturwissenschaften am Diözesanseminar von Funchal, der den hier wiedergegebenen Artikel über Stuebel schrieb.

  4. Deutscher Geologe und Verfasser von Madeira & Porto Santo (Leipzig, 1864), der bis dahin umfassendsten Darstellung des Themas.

  5. Wird als Verfasser einer Darstellung über die geologische Entstehung Madeiras angeführt.

  6. Zeichnete eine Karte von Madeira, die laut Stuebel dessen topografisch-genetische Struktur gut wiedergibt.

  7. Wird als einer der Verfasser bekannter Auffassungen zur Geologie Madeiras angeführt.

  8. Zürcher Naturforscher, der unter den Verfassern von Arbeiten über Madeiras Geologie genannt wird.

Auf dem Bogen S

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