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Canavial (Graf von) 1Leben, Medizin und öffentliche Laufbahn
Artikel Nr. 0761 Arzt oder Angehöriger eines Heilberufs Bd. I · S. 445–449 9 Min. Lesezeit

Canavial (Graf von)

Originaltitel: Canavial (Conde de)

Biografie von João da Câmara Leme Homem de Vasconcelos, dem 1. Grafen von Canavial (1829–1902). Der Arzt aus Funchal war Leiter einer Medizinischen Hochschule, Zivilgouverneur, Journalist und Industrieller sowie Gründer der Companhia Fabril de Açúcar Madeirense. Der Artikel führt seine zahlreichen Veröffentlichungen auf und beschreibt die 1922 in Funchal errichtete Büste.

Canavial (Graf von)

1Leben, Medizin und öffentliche Laufbahn

João da Câmara Leme Homem de Vasconcelos, 1. Vicomte und 1. Graf von Canavial, war einer der bedeutendsten Madeirer des 19. Jahrhunderts. Er wurde am 22. Juni 1829 in dieser Stadt geboren und war der Sohn des Majoratsherrn (morgado) António Francisco da Câmara Leme Homem de Vasconcelos und von Dona Carolina Moniz de Ornelas Barreto Cabral, die beide alten Adelsfamilien dieser Insel angehörten.

Nachdem er in Funchal die höhere Schule abgeschlossen hatte, ging er nach Montpellier. Dort erwarb er 1852 den Grad eines Bakkalaureus (bacharel, Universitätsabsolvent) der Naturwissenschaften und 1857 den Doktor der Medizin; stets erwies er sich als überaus fleißiger Student von außergewöhnlicher Begabung. Seine erstaunliche Schaffenskraft, die bis zu seinem Tod ein Grundzug seines Wesens blieb, erlaubte es ihm, sich schon als Student auf Madeira wie in Frankreich verschiedenen literarischen und wissenschaftlichen Arbeiten zu widmen. Beredtes Zeugnis davon geben seine regelmäßige Mitarbeit an verschiedenen Zeitschriften und Zeitungen, die Übersetzung des Dramas O Conde de Herman von Alexandre Dumas, erschienen in einem Band von 250 Seiten, sowie die Etudes sur les ombellifères venéneuses, ein Band von 218 Seiten. Dieses Werk erhielt ein günstiges Gutachten der Akademie der Wissenschaften und Literatur von Montpellier und trug ihm die Mitgliedschaft in dieser Akademie ein.

Nach der Promotion setzte er seine wissenschaftlichen Studien fort. 1858 errang er in einem internationalen Wettbewerb, obwohl Ausländer, den vierten Preis mit einer umfangreichen Abhandlung zum Thema Des rapports de l’alimentation avec la respiration. Existe-t-il des aliments qui méritent le nom de respiratoires? Ferner schrieb er eine ausführliche Studie mit dem Titel De la température de l’homme et des animaux, die von der Kaiserlichen Akademie der Medizin in Paris lobend erwähnt wurde. Hinzu kam eine eingehende Abhandlung unter dem Titel Quelques considérations ayant pour but de démontrer que la théorie des combustions jette un grand jour sur plusieurs points du domaine de la pathologie, die zwar Manuskript blieb, ihm aber als Grundlage für die Aufnahme in eine wissenschaftliche Gesellschaft diente, sowie eine wertvolle, preisgekrönte Arbeit mit der Überschrift De la chaleur animale. Dazu kamen weitere Studien, die in Fachzeitschriften verstreut erschienen. All dies öffnete ihm die Türen vieler Akademien und wissenschaftlicher Gesellschaften im In- und Ausland.

1859 legte er an der Medizinischen Schule in Lissabon die Prüfungen zur Anerkennung seines Grades ab. Im folgenden Jahr wurde er zum Demonstrator für Anatomie an unserer Medizinischen Schule ernannt und 1867 zum ordentlichen Professor. Als Professor und Direktor dieser Schule hatte er manche Auseinandersetzung mit seinen Kollegen im Lehramt zu bestehen. Darüber veröffentlichte er zwei umfangreiche Bände, die bei aller Parteilichkeit, mit der sie vielleicht geschrieben sein mögen, Arbeiten von unbestreitbarem Wert sind. Als Kliniker genoss er großes Ansehen und galt allgemein als hervorragender Arzt. Er und Dr. Luz Pita waren, ohne jemandem zu nahe treten zu wollen, die beiden großen medizinischen Größen Madeiras im 19. Jahrhundert. Sein umfassendes Wissen und sein großes klinisches Gespür verschafften ihm den Ruf eines Mannes von überragendem Format auf dem Gebiet der Medizin. Der Graf von Canavial führte in der Presse wiederholt Polemiken mit einigen seiner Kollegen und verfasste dabei mehrere Broschüren, die allesamt ein seltenes Talent und eine umfassende Gelehrsamkeit verraten.

Wie andere bedeutende Männer beschritt auch er die verschlungenen Pfade der Politik. Dadurch blieben so viele schätzenswerte Gaben an Talent und Wissen fruchtlos, die auf einem anderen Feld allen von großem Nutzen und Gewinn gewesen wären. Ein beträchtlicher Teil seines Lebens wurde von der unfruchtbaren Kirchturmpolitik aufgezehrt. Sie verwickelte ihn in harte Pressekämpfe; er redigierte viele Zeitungen und veröffentlichte zahlreiche Flugschriften, in denen er sich als Polemiker von zähem Schlag und als Schriftsteller von erstaunlicher Fruchtbarkeit erwies. In dieser Hinsicht ist sein Werk überaus umfangreich. Seine Sprache war stets korrekt und elegant, wenn auch ohne große stilistische Feinheiten.

Als Oberhaupt des Distrikts gehörte er zu den tatkräftigsten und eifrigsten Männern, die je an der Spitze der Verwaltung dieses Archipels standen. Er arbeitete unermüdlich für den Aufschwung und das Gedeihen seiner Heimat, auch wenn er nicht so viel erreichte, wie man von seinen Bemühungen und Anstrengungen hätte erwarten dürfen. Als Gouverneur Madeiras schrieb er ein Buch mit dem Titel Apontamentos para o estudo da crise agricola no distrito do Funchal, das noch heute mit Gewinn gelesen und herangezogen werden kann.

Die große Regsamkeit seines Geistes zeigte sich auch in seinem Wirken als kluger Industrieller. Er betrieb und leitete die Gründung der „Companhia Fabril de Assucar Madeirense“ und führte eine bemerkenswerte Verbesserung der Verfahren zur Herstellung von Branntwein (aguardente, aus Zuckerrohr oder Wein destilliert) ein, mit dem Ziel, den dabei verwendeten Rohstoff besser zu nutzen. Diese Verbesserung, für die er ein Erfindungspatent erhielt, gab Anlass zu Einwänden und Polemiken, und er veröffentlichte darüber einige Broschüren. Ferner stellte er nützliche Untersuchungen über die Behandlung und Veredelung von Weinen an; auch zu diesem Thema schrieb er ein interessantes Buch und veröffentlichte ausführliche Zeitungsartikel.

Die „Companhia Fabril de Assucar Madeirense“ wäre ein großer Faktor des Wohlstands für unsere Heimat geworden, hätte man nicht einen unlauteren und gehässigen Krieg gegen sie geführt. Dieser bemerkenswerte Mann war zugleich Kliniker, Professor, Staatsbeamter, Wissenschaftler, Journalist und Schriftsteller, Politiker und Industrieller, und in all diesen Bereichen menschlichen Wirkens bewies er die Gaben eines außerordentlich begnadeten Geistes. Er hätte groß unter den Großen sein können, wenn nicht kleinliche und unfruchtbare politische und persönliche Streitigkeiten zuweilen allzu sehr die Aufmerksamkeit seines weiten und kraftvollen Verstandes in Anspruch genommen hätten.

Der Graf von Canavial starb am 13. Februar 1902 in dieser Stadt, kurz vor Vollendung seines 73. Lebensjahres.

2Bibliografie und Denkmal

Bibliografie – Der weitaus größte Teil seiner Schriften, der viele Bände füllen würde, blieb in den Zeitungen jener Zeit verstreut. Er befasst sich großenteils mit unfruchtbarer Kirchturmpolitik, für die er die lebendigsten Kräfte seines großen Talents und seiner erstaunlichen Tatkraft aufwandte. Unter diesen journalistischen Schriften finden sich auch die unzähligen Artikel, die er über seine Erfindungen und industriellen Verbesserungen sowie über medizinische Themen schrieb; einige davon erschienen später als Broschüren. Zu diesem Zweck war er Redakteur und Eigentümer mehrerer Zeitungen, etwa A Liberdade, O Distrito do Funchal, A Luz und noch anderer.

Von seinen in Bänden und Broschüren veröffentlichten literarischen Arbeiten können wir folgende nennen:

  • O Conde Herman, drama, por Alexandre Dumas. . ., traduzido por J. C. L., Funchal, 1850, 250 S.
  • Etudes sur les ombellifères venéneuses . . Montpellier, 1857, 218 S.
  • Relatorio e projecto de regulamento para a Escola-Medico-Cirurgica do Funchal. . . Funchal, 1868, 123 S. in Folio
  • Breves consideracões sobre uma laqueação da arteria illiaca 1868, 23 S.
  • Uma lição de clinica cirurgica, 27 S., 1878
  • O dr. Antonio da Luz Pitta o Pharmaceutico Francisco Xavier de Sousa e o Dr. João da Camara Leme, 88 S. in Folio, 1869
  • Uma ophtalmia traumatica, lição de clinica. . ., 1868, 29 S.
  • Discurso pronunciado... na reunião do partido progressista, 1870, 18 S.
  • João Augusto d’Ornellas e a Nova Fabrica de Assucar, 1871, 28 S.
  • Breves instruções sobre a cultura da beterraba de assucar, 1871, 16 S.
  • Relatorio da Direcção da Companhia Fabril de Assucar Madeirense, 70 S. in Folio, 1871
  • Companhia Fabril de Assucar Madeirense, relatorio da direcção, 1872, 24 S.
  • Carta sobre a nova molestia da vinha na Madeira, 1872, 21 S.
  • Guia do sericultor Madeirense, 1874, 32 S.
  • Uma crise agricola, um caminho aereo e uma sociedade anonyma, 1876, 146 S.
  • Discurso pronunciado em 20 de março de 1876 na sessao da abertura da Eschola Central da Associação de Protecção e Instrução do Sexo Feminino Funchalense, Funchal, 1876, 56 S.
  • Apontamentos para o estudo da crise agricola no Funchal, Funchal, 1879, 110 S.
  • A Companhia Fabril de Assucar Madeirense, Roberto Leal e o Dr. Tarquinio T. da Camara Lomelino, 1879, 40 S.
  • Breve noticia sobre o tratamento do vinho pelo calor, 1882, 12 S.
  • Um privilegio industrial, 1883, 93 S.
  • Um governador civil, um delegado de saude e um ex-governador civil substituto, 1883, 24 S.
  • Uma acção civel contra o snr. W. Hinton., 1884, 79 S.
  • A resposta do snr. Dr. Vicente Candido Machado, 1884, 112 S.
  • Um alvitre para a solução da crise por que está passando o país, 1884, 71 S.
  • Breves considerações sobre os direitos do assucar estrangeiro, 1885, 16 S.
  • A cultura da canna de assucar e os direitos sobre o assucar; 1885
  • Felicitação aos illustres exploradores portuguezes, Hermenegildo Capello e Roberto Ivens, 1885, 7 S.
  • Esboço de uma ideia sobre credito industrial, 1886, 9 S.
  • Os vinhos da Madeira e o seu descredito pelas estufas, 1889, 91 S.
  • Noticia sobre o vinho Cannavial, 1882, 23 S.
  • Resposta á critica que fez o Ex.m Snr. Dr. João Augusto Teixeira... á “Noticia sobre o vinho Cannavial”, 1892, 90 S.
  • Os tres systemas de tratamento dos Vinhos da Madeira, 1900, 22 S.

Vor Kurzem (1921) kam der Gedanke auf, dem Grafen von Canavial in dieser Stadt ein Denkmal zu errichten. Zu diesem Zweck fand in den ersten Oktobertagen 1920 eine Versammlung statt, um zu beraten, wie man unserem berühmten Landsmann eine öffentliche und würdige Ehrung erweisen und die Erinnerung an seinen Namen bei uns bewahren könne. Die Initiative ging von unserem Landsmann Dr. Abel Capitolino Baptista aus.

Am Ende der Avenida Dr. Manuel de Arriaga, gegenüber dem Kirchplatz der Kathedrale (Sé Catedral), steht (1923) auf einem kunstvoll gearbeiteten Marmorsockel die Bronzebüste des Grafen von Canavial. Sie wurde am 2. März 1922 enthüllt; die Grundsteinlegung des Denkmals hatte am 1.

Dezember des Vorjahres stattgefunden.

Vor einigen Jahren wurde dieses Denkmal auf den Campo da Barca (‚Bootsplatz‘) versetzt und in der Nähe der Desinfektionsstation (Posto de Desinfecção) aufgestellt.

Zur Ergänzung des oben Gesagten seien die in diesem Elucidário veröffentlichten Artikel Associação de Protecção e Instrução do Sexo Feminino Funchalense, Companhia Fabril de Assucar Madeirense und Estufas empfohlen.

In diesem Artikel

Zeit

Erwähnte Jahre · 13
  1. João da Câmara Leme Homem de Vasconcelos, der spätere Graf von Canavial, wurde in Funchal geboren.

  2. Der spätere Graf von Canavial erwarb in Montpellier einen Bachelorabschluss in Naturwissenschaften.

  3. Der spätere Graf von Canavial promovierte in Montpellier in Medizin.

  4. Der spätere Graf von Canavial gewann mit einer Abhandlung über Ernährung und Atmung den vierten Preis eines internationalen Wettbewerbs.

  5. Der spätere Graf von Canavial ließ seinen medizinischen Abschluss an der Medizinischen Hochschule in Lissabon anerkennen.

  6. António da Luz Pita, der spätere Graf von Canavial, wurde zum Anatomie-Demonstrator an der Medizinischen Hochschule von Funchal ernannt.

  7. Der spätere Graf von Canavial wurde ordentlicher Professor an der Medizinischen Hochschule von Funchal.

  8. Der erste Bericht der Direktoren der Companhia Fabril de Açúcar Madeirense wurde veröffentlicht.

  9. Der Graf von Canavial veröffentlichte in Funchal seine Untersuchung zur Agrarkrise.

  10. Der Graf von Canavial starb in Funchal.

  11. In Funchal fand eine Versammlung statt, um ein Denkmal für den Grafen von Canavial zu planen.

  12. In Funchal wurde der Grundstein für das Denkmal zu Ehren des Grafen von Canavial gelegt.

  13. Nahe der Kathedrale von Funchal wurde die Bronzebüste des Grafen von Canavial enthüllt.

Ort

Erwähnte Orte · 07

Ausland

Karte: Madeira (7)
  1. Avenida Dr. Manuel de Arriaga

    Funchal. Ursprünglicher Standort seiner Büste gegenüber der Kathedrale.

  2. Campo da Barca

    Funchal. Platz, auf den das Denkmal später versetzt wurde.

  3. Desinfektionsstation

    Funchal. Gebäude, in dessen Nähe das versetzte Denkmal steht.

  4. Funchal

    Geburts- und Sterbeort des Grafen, wo er studierte und arbeitete.

  5. Kathedrale von Funchal

    Funchal. Kathedrale, vor der die Büste ursprünglich stand.

  6. Lissabon

    Portugal. Standort der medizinischen Schule, an der er 1859 die Anerkennung seines Abschlusses erlangte.

  7. Montpellier

    France. Französische Stadt, in der er seine Abschlüsse in Naturwissenschaften und Medizin erwarb.

Personen

Erwähnte Personen · 15
  1. Arzt in Funchal, Leiter einer medizinischen Schule, Zivilgouverneur und Industrieller; Gegenstand dieses Eintrags.

  2. Madeirer, von dem 1920 der Vorschlag für ein Denkmal zu Ehren Canavials ausging.

  3. Französischer Schriftsteller, dessen Drama der Graf während seiner Studienzeit übersetzte.

  4. Arzt, der neben dem Grafen von Canavial als eine der beiden großen medizinischen Persönlichkeiten Madeiras im 19. Jahrhundert genannt wird.

  5. Mutter des Grafen von Canavial aus einer alten madeirischen Adelsfamilie.

  6. Apotheker, der im Titel einer 1869 veröffentlichten Broschüre des Grafen von Canavial genannt wird.

  7. Portugiesischer Afrikaforscher, dem der Graf von Canavial 1885 gratulierte.

  8. Wird in einer Broschüre des Grafen von Canavial über die neue Zuckerfabrik aus dem Jahr 1871 genannt.

  9. Kritiker einer Mitteilung des Grafen von Canavial über Wein; dieser antwortete ihm 1892.

  10. Majoratsherr und Vater des Grafen von Canavial.

+ 5 weitere
  1. Portugiesischer Afrikaforscher, dem der Graf von Canavial 1885 gratulierte.

  2. Wird in einer Broschüre des Grafen von Canavial über die Zuckergesellschaft aus dem Jahr 1879 genannt.

  3. Gegner, der in einer Broschüre des Grafen von Canavial über die Zuckergesellschaft aus dem Jahr 1879 genannt wird.

  4. Kontrahent in einer Kontroverse, dem der Graf von Canavial 1884 in einer Broschüre antwortete.

  5. Beklagter in einem Zivilprozess, den der Graf von Canavial in einer Broschüre aus dem Jahr 1884 beschrieb.

Auf dem Bogen C

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