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Seidenraupenzucht 1Frühe Versuche und die Versuche des Grafen von Canavial
Artikel Nr. 3444 Industrie und Handwerk Bd. III · S. 540–542 4 Min. Lesezeit

Seidenraupenzucht

Originaltitel: Sericicultura

Darstellung der Versuche, die Seidenraupenzucht und Seidenproduktion auf Madeira einzuführen: vom 1571 durch Gaspar de Teive vermittelten Vertrag bis zu den Versuchen des Grafen von Canavial in den Jahren 1874–1881. Der Eintrag gibt einen Zeitungsartikel von 1921 wieder, der Madeiras Klima für diese Industrie als geeignet bezeichnet.

Seidenraupenzucht

1Frühe Versuche und die Versuche des Grafen von Canavial

Schon in früheren Zeiten gab es einige Versuche, die Seidenraupenzucht auf Madeira einzuführen. Dr. Gaspar de Teive schloss 1571 sogar einen Vertrag mit einem Seidenfabrikanten über die Herstellung dieses Erzeugnisses auf der Insel. Die Jesuiten gaben der Seidenraupenzucht einen gewissen Auftrieb, doch wissen wir nicht, ob auf Madeira je ein Seidenstoff hergestellt wurde.

1877 richtete der verstorbene Graf von Canavial auf der Praça da Rainha (‚Platz der Königin‘) mehrere Anlagen für die Zucht der Seidenraupe ein und legte dort große Pflanzungen von Weißen Maulbeerbäumen an. Diese Arbeiten brachten jedoch keinerlei Ergebnisse. Die Maulbeerpflanzungen wurden durch die schweren Stürme zu Beginn des Jahres 1881 fast vollständig zerstört.

Von besonderem Interesse für dieses Thema, und womöglich von einigem Nutzen, ist der ausgezeichnete Artikel, der am 13. Oktober 1921 im Diário da Madeira erschien und den wir in den Spalten dieses Elucidário festhalten möchten.

„Unter diesen Initiativen, die seiner Seele entsprangen und von seinem Verstand entworfen wurden (Graf von Canavial), findet sich die Einführung der Sericultura oder, vielleicht genauer, der Sericicultura auf Madeira, also der Gesamtheit der Arbeitsgänge und Verfahren der Seidengewinnung, die folglich sowohl die Zucht der Seide erzeugenden Insekten als auch die Kunst der Seidenherstellung umfasst. In volkstümlichen Prospekten, die auf der ganzen Insel verteilt wurden, unterrichtete man damals die Bevölkerung Madeiras über die Seidenherstellung. Diese Anleitungen waren mit aller Klarheit und Ausführlichkeit abgefasst und reichten von der Zucht der Seidenraupe bis zur eingehenden Beschreibung all ihrer Verwandlungen und ihrer Behandlung in den verschiedenen durchlaufenen Entwicklungsstadien. Man bat die zivilen und kirchlichen Behörden um Unterstützung und ersuchte die Stadt- und Kreisräte um Mitwirkung bei einer großen Pflanzung der Bäume, von denen sich das Seide erzeugende Insekt ernährt. Man stellte sogar einige Versuche an, doch sicher ist, dass diese Initiative – sei es aus Mangel an Mitteln, sei es aus Mangel an Ausdauer – nie verwirklicht wurde.

2Argumente für eine madeirische Seidenindustrie

Dennoch sind wir nach wie vor überzeugt, dass der Gedanke, auf Madeira die Seidenindustrie zu entwickeln, weder kindisch noch verwegen ist, geschweige denn ein Traum, der sich im Bereich der praktischen Wirklichkeit nicht in eine Tatsache verwandeln ließe.

Tatsächlich entwickelt sich die Seidenindustrie heute in vielen Ländern, die bei Weitem nicht über die natürlichen Voraussetzungen verfügen, durch die sich Madeira auszeichnet. Deshalb gleichen sie das Fehlen dieser Voraussetzungen durch Verfahren aus, welche die Seidenerzeugung verteuern und geringer ausfallen lassen als jene, die wir auf dieser Insel erzielen könnten.

In den Ländern, in denen die Seidenindustrie am meisten blüht, wird im Allgemeinen nur eine Ernte im Jahr eingebracht, weil die Bäume, von denen sich die Insekten ernähren, dort nur schwach gedeihen. Außerdem müssen die Insekten in der Wärme von Treibhäusern und Öfen aufgezogen werden, damit sie den fast immer verhängnisvollen Folgen der großen Witterungsschwankungen widerstehen.

Madeira hingegen befindet sich dank der außergewöhnlichen Milde seines Klimas in weit günstigeren Verhältnissen für diese Industrie als jene Länder. Da die Maulbeerbäume hier schneller wachsen, ließen sich leicht zwei Ernten im Jahr einbringen. Die Insekten wiederum könnten auf natürliche Weise aufgezogen werden, ohne fremde und stets kostspielige Hilfsmittel, die ihre Lebensbedingungen stützen müssten.

Zudem würde der Anbau der eigens zu fördernden Bäume den anderen Kulturen, die wir ebenfalls für unsere Ernährung und für eine reiche Wirtschaftsbilanz brauchen, nicht den Platz streitig machen. Man würde dafür nämlich mit Verstand und Umsicht jene Flächen nutzen, auf denen kein anderer Anbau möglich wäre oder größeren Nutzen brächte.

Aus diesen Gründen halten wir die hier skizzierte Idee auch jetzt noch einer eingehenden Prüfung, Untersuchung und Erwägung durchaus würdig. Damit gedenken wir zugleich der Persönlichkeit des Grafen von Canavial und erinnern an einige Früchte seines Forschergeistes und seiner patriotischen Seele.

Und da wir uns in dieser Frage heute in derselben Lage befinden wie vor fast 50 Jahren, als die Idee auf dieser Insel zur Sprache kam, sagen wir mit dem Grafen von Canavial im Jahr 1874: – „Was also ist zu tun? – Die Aufmerksamkeit derer, die in der Lage sind, diesen neuen Industriezweig zu betreiben, nachdrücklich zu wecken; sie in den praktischen Mitteln zu unterweisen, dies zu erreichen, und ihnen überdies als Ansporn Beispiele anderer Länder vor Augen zu führen, in denen man mit geringeren natürlichen Vorzügen aus eben dieser Industrie die einträglichsten Ergebnisse gezogen hat.“

In diesem Artikel

Zeit

Erwähnte Jahre · 05
  1. Gaspar de Teive schloss mit einem Seidenhersteller einen Vertrag über die Seidenproduktion auf Madeira.

  2. Der Graf von Canavial rief öffentlich zum Aufbau einer Seidenindustrie auf Madeira auf.

  3. Der Stadtrat von Funchal überließ dem Grafen von Canavial die Praça da Rainha für eine Baumschule mit Weißen Maulbeerbäumen und Versuche zur Seidenraupenzucht.

  4. Schwere Stürme zu Jahresbeginn zerstörten fast alle Maulbeerpflanzungen Madeiras und machten die Seidenraupenzucht zunichte.

  5. Das Diário da Madeira veröffentlichte einen Artikel, der sich für eine Seidenindustrie auf Madeira aussprach.

Ort

Erwähnte Orte · 02
Karte: Madeira (1)
  1. Praça da Rainha

    Funchal. Standort der Anlagen zur Seidenraupenzucht und der Maulbeerpflanzungen des Grafen von Canavial.

Personen

Erwähnte Personen · 02
  1. Schloss 1571 mit einem Seidenhersteller einen Vertrag über die Seidenproduktion auf Madeira.

  2. Madeirischer Förderer der Seidenraupenzucht, der 1877 in Funchal Anlagen zur Seidenraupenzucht und Maulbeerpflanzungen anlegte.

Auf dem Bogen S

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