Zum Inhalt springen
Elucidário Madeirense Startseite
Sanches (Afonso) 1Die Überlieferung in den Quellen
Artikel Nr. 3292 Persönlichkeit des Militärs oder der Seefahrt Bd. III · S. 415–416 4 Min. Lesezeit

Sanches (Afonso)

Eintrag über Afonso Sanches, einen portugiesischen Lotsen aus Cascais, der einer umstrittenen Überlieferung zufolge durch einen Sturm westwärts nach Amerika verschlagen wurde, auf Madeira landete und im Haus von Christoph Kolumbus starb, dem er seine Seekarte hinterließ. Der Eintrag gibt Berichte aus dem Universalwörterbuch von Lello und von J. Reis Gomes wieder und vermerkt, dass einige Forscher die Geschichte für eine Legende halten.

Sanches (Afonso)

1Die Überlieferung in den Quellen

In enger Beziehung zu den Artikeln Colombo und Esmeraldo dieses Elucidário stehen die folgenden Worte über den portugiesischen Seemann Afonso Sanches, die wir dem Wörterbuch Lello Universal entnehmen: „... portugiesischer Lotse, geboren in Cascais. Er brach 1486 mit einer Karavelle nach Ostindien auf; manche sagen, ein Sturm habe ihn nach Amerika verschlagen. Es gibt jedoch auch Stimmen, die behaupten, er habe absichtlich versucht, Indien über den Atlantik zu erreichen. So sei er südöstlich von Florida zu den Lucayan-Inseln gelangt, habe die Insel São Salvador im Schiffstagebuch verzeichnet und sei auf der Rückfahrt nach Lissabon auf der Insel Madeira gelandet. Sanches starb im Haus seines Freundes und Kollegen Christoph Kolumbus, der sich dort niedergelassen und verheiratet hatte.

Das Schiffstagebuch von Sanches blieb im Besitz von Kolumbus. Diese Behauptung haben verschiedene Schriftsteller aufgestellt, doch lässt sie sich nicht als unbestrittene Wahrheit anführen. Für diese Frage recht aufschlussreich ist die Anmerkung, die der angesehene Schriftsteller und Akademiker Major J. Reis Gomes in seinem Buch A Filha de Tristão das Damas hinterlassen hat und die wir hier festhalten wollen:

„Mit dem Aufenthalt von Kolumbus auf Madeira und seinem Plan einer Fahrt nach Westen verbindet sich die Überlieferung, er habe aus den Händen eines sterbenden Lotsen die Karte erhalten, auf der dieser verzeichnet hatte, was seine Augen bei einer tragischen, erzwungenen Fahrt nach Westen gesehen hatten, als ihn stürmische Winde und Meere dorthin trieben.

Dies ist, kurz gefasst, der Fall – umstritten, gewiss, doch von vielen Autoren erwähnt, so von Frutuoso im ersten Buch der ‚Saudades da Terra‘ und von Padre Simão de Vasconcelos in seiner Beschreibung der ‚Descobrimento d’America‘, ferner durch das Zeugnis von Frei António de São Romão, Garcilaso de la Vega, Pizarro e Araújo, Padre Manuel Fialho, Frei Apolónio da Conceição, Mariz und anderen:

2Die Geschichte und ihre Kritiker

Afonso Sanches, Lotse einer Karavelle aus Cascais, die Zuckerhandel zwischen Lissabon und Madeira trieb, geriet in einen heftigen Sturm. Entmastet trieb er viele Tage lang nach Westen (manche beziffern die Dauer dieser erzwungenen Überfahrt genau auf 22 Tage) und entdeckte dabei ein neues Land (wahrscheinlich irgendwo am Golf von Mexiko), das er zusammen mit weiteren Einzelheiten der Reise in seiner Karte vermerkte. Erkunden konnte er dieses Land jedoch nicht, weil er und seine Gefährten völlig entkräftet waren. Um sein Leben besorgt und im Gedanken an die fehlenden Vorräte, nutzte er günstiges Wetter, um die Insel Madeira anzusteuern. Dort fand er Zuflucht im Haus von Kolumbus, der wie er Lotse war und zu seinem Bekanntenkreis gehörte. Doch er war von Hunger und Strapazen so ausgezehrt, dass er bald sein Ende nahen fühlte. Als er sah, dass er starb und ihm daher keine neue Reise mehr möglich war, von der er mit Reichtum und Ruhm hätte zurückkehren können, vertraute er Kolumbus zum Dank für die empfangene Gastfreundschaft sein Geheimnis in allen Einzelheiten an. Er hinterließ ihm seine beschriftete Karte. Sie war für den Genuesen der unwiderlegbare Beweis für die Richtigkeit seiner Pläne und der sichere Wegweiser auf seiner Fahrt zur Entdeckung – nicht Westindiens, wie er selbst glaubte, sondern der Neuen Welt.

Auch Luciano Cordeiro berichtet diese Überlieferung in seiner Abhandlung L'Amerique et les Portugais, die Teil des Compte rendu du Congrés Internacional des Americanistes – 1875 ist.

Auch Spanien hat, wie wir, seinen Alfonso Sánchez. Nach spanischer Auffassung war der Mann, der Kolumbus das kostbare Vermächtnis seiner Karte hinterließ, ein Andalusier.

Einige Forscher, darunter der Amerikaner Henry Harrisse, behaupten, die ganze Geschichte sei nichts als eine Legende. Sei’s drum … Will die Legende vielleicht in einem einzigen Mann all die Sehnsucht verkörpern, die damals die meisten madeirischen Seeleute beherrschte? Unermüdlich richteten sie ihre hoffnungsvollen Blicke nach Westen – gläubig, wenn auch furchtsam.

Keiner von ihnen wäre auf den Flügeln des Sturms bis in Sichtweite der „Indien“ gelangt. Vielmehr wären diese, oder besser gesagt Amerika, gewissermaßen zu ihnen gekommen: Mit den Meeresströmungen trieben ihnen fremdartige Bäume, Hölzer mit barbarischen, unbekannten Schnitzereien und sogar Leichen mit wahrhaft seltsamen Gesichtern vor die staunenden Augen. So betrachtet hat die Überlieferung, so fabelhaft sie auch sein mag, dem Geschehen doch eine bessere Erklärung und einen malerischeren Charakter verliehen.

Was macht es schon, ob der Seher Afonso Sanches, António do Leme, Pedro Correia, Vicente Dias oder André Valente hieß?

In diesem Artikel

Zeit

Erwähnte Jahre · 02
  1. Afonso Sanches soll von Portugal aus in See gestochen, nach Amerika verschlagen worden und später auf Madeira gelandet sein.

  2. Luciano Cordeiros Abhandlung über die Überlieferung zu Afonso Sanches erschien in den Tagungsakten des Internationalen Amerikanistenkongresses.

Ort

Erwähnte Orte · 07
Karte: Nordamerika (6)
  1. Cascais

    Portugal. Geburtsort von Sanches und Heimathafen seiner Karavelle.

  2. Florida

    United States. Sanches soll ein Gebiet südöstlich von Florida erreicht haben.

  3. Golf von Mexiko

    Mexico/United States. Vermutliche Lage des von Sanches entdeckten Landes.

  4. Lissabon

    Portugal. Ziel seiner Rückreise und Endpunkt der Zuckerroute.

  5. Lucayan-Inseln

    Bahamas. Die Bahamas, die Sanches erreicht haben soll.

  6. São Salvador

    Bahamas. Insel, die Sanches Berichten zufolge in seinem Logbuch verzeichnete.

Personen

Erwähnte Personen · 17
  1. Portugiesischer Lotse aus Cascais, der der Überlieferung nach vor Kolumbus Amerika erreichte und in dessen Haus auf Madeira starb.

  2. Seefahrer, der als weiterer möglicher Visionär eines Landes im Westen genannt wird.

  3. Ordensbruder, der als Zeuge für die Überlieferung angeführt wird.

  4. Madeirischer Seefahrer, der als weiterer möglicher Visionär eines Landes im Westen genannt wird.

  5. Ordensbruder und Autor, der als Quelle für die Überlieferung angeführt wird.

  6. Genuesischer Seefahrer, der sich auf Madeira niederließ und dort heiratete; er soll die Seekarte von Sanches erhalten haben.

  7. Chronist, der als Quelle für die Überlieferung angeführt wird.

  8. Gaspar Frutuoso1522–1591

    Autor von Saudades da Terra, der als Quelle für die Überlieferung angeführt wird.

  9. Amerikanischer Forscher, der die Geschichte über Sanches für eine Legende hielt.

  10. Madeirischer Schriftsteller und Akademiemitglied, dessen Anmerkung in A Filha de Tristão das Damas zitiert wird.

+ 7 weitere
  1. Portugiesischer Gelehrter, der die Überlieferung in L’Amérique et les Portugais (1875) schilderte.

  2. Priester und Autor, der als Quelle für die Überlieferung angeführt wird.

  3. Autor, der als Quelle für die Überlieferung angeführt wird.

  4. Seefahrer, der als weiterer möglicher Visionär eines Landes im Westen genannt wird.

  5. Autor, der als Quelle für die Überlieferung angeführt wird.

  6. Jesuitischer Autor, der als Gewährsmann für die Überlieferung angeführt wird.

  7. Seefahrer, der als weiterer möglicher Visionär eines Landes im Westen genannt wird.

Auf dem Bogen S

Zuletzt angesehen

    Hier erscheinen die Seiten, die Sie gelesen haben.