Baumschulen und Akklimatisierungsgärten 1Die Baumschule von Monte: ein Überblick
Baumschulen und Akklimatisierungsgärten
Originaltitel: Viveiros e Jardins de Aclimação
Geschichte der staatlichen Pflanzschule (viveiro), die 1799 in Lombada in der Gemeinde Monte gegründet wurde und vor ihrer Auflösung 1828 über 20.000 Bäume auf Madeira und Porto Santo verteilte, sowie späterer, nicht verwirklichter Pläne für Pflanzschulen und Akklimatisierungsgärten in Funchal.
1Die Baumschule von Monte: ein Überblick
Der Gouverneur und Generalkapitän Madeiras, Dom Diogo Forjaz Coutinho, hatte dem Botaniker Vandelli vorgeschlagen, auf der Insel große Pflanzenbaumschulen anzulegen. Sie sollten nicht nur den botanischen Garten von Ajuda versorgen, sondern, falls nötig, auch die Gärten und Gewächshäuser ganz Europas. Bald darauf erhielt das Zivilgouvernement (Governo Civil, Distriktsverwaltung) von Funchal von den zentralen Behörden die nötige Genehmigung, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Am 6. Mai 1799, als der genannte Gouverneur bereits verstorben war, ordnete die provisorische Regierung an, dass der Bakkalaureus (bacharel, Universitätsabsolvent) José Maria de Afonseca einen geeigneten Ort für eine Pflanzenbaumschule auswählen solle. Am 9. August desselben Jahres erklärte dieselbe Regierung in einem amtlichen Schriftstück, die für die Anzucht der nördlichen Arten bestimmten Grundstücke lägen auf der Lombada (‚Höhenrücken‘) in der Gemeinde (freguesia) Monte (‚Berg‘). Die südlichen Arten sollten an den jeweils am besten geeignet erscheinenden Orten gezogen werden, solange ihnen kein eigenes Gelände zugewiesen sei. Mit der Leitung der Baumschule für die nördlichen Arten wurde ebenjener Afonseca betraut. Im Verhinderungsfall konnte ihn José Joaquim de Vasconcelos vertreten, dem die Leitung der Baumschule für südliche Gehölze übertragen werden sollte, sobald diese eingerichtet wäre.
Bis zum 10. August 1823 verteilte die Baumschule von Monte mehr als 20.000 Bäume an verschiedene Orte auf Madeira und Porto Santo (‚Heiliger Hafen‘). So liest man es in einem Bericht über die zugunsten der Landwirtschaft des Archipels geleisteten Arbeiten, den José Maria de Afonseca den zuständigen Behörden vorlegte. Die Baumschule von Monte wurde 1828 von der Regierung Michaels I. aufgehoben, und danach dachte niemand mehr daran, sie wiederherzustellen. Das Dekret vom 4. Januar 1837 bestimmte zwar den Klosterbezirk des aufgehobenen Klosters St. Franziskus (São Francisco) zur Pflanzenbaumschule, doch geschah dort offenbar nichts Nützliches, um ein Unternehmen wiederzubeleben, das bei uns bereits so gute Ergebnisse gebracht hatte.
Das Gelände, auf dem die Baumschule von Monte lag, ist noch heute unter dem Namen „Quinta do Jardim Botânico“ bekannt. Was die Baumschule für südliche Gehölze betrifft, so ist uns nicht bekannt, dass sie je eingerichtet wurde.
Der folgende Text, vor einigen Jahren von einem der Mitverfasser dieses Elucidário geschrieben, liefert neue Angaben zum Artikel „Jardim de Aclimação“ auf Seite 178 von Band II.
2Der ältere Artikel über die Quinta des Botanischen Gartens
„Im Ortsteil (sítio) Lombada der Gemeinde (freguesia) Monte gibt es eine Quinta (Landgut), die man die Quinta des Botanischen Gartens nennt. Betreten wir jedoch diese Quinta und betrachten aufmerksam die Pflanzenarten, die sie bedecken, so finden wir nichts, was die Bezeichnung, unter der sie bekannt ist, in irgendeiner Weise rechtfertigen könnte. Es gibt dort weder eine vielfältige Vegetation noch seltene Arten; man kann sogar sagen, dass die Quinta des Botanischen Gartens trotz ihres Namens zu den Besitzungen dieser Gemeinde gehört, die Liebhabern floristischer Studien am wenigsten zu bieten haben.
Gleichwohl ist dieser Name nicht völlig unzutreffend. Zieht man alte Dokumente zurate, die heute der großen Mehrheit der Einwohner von Funchal unbekannt sind, so erkennt man leicht, dass an der Stelle, an der jetzt nur gewöhnliche Arten wachsen, einst eine ausgezeichnete Baumschule bestand, die eine große Zahl von Bäumen an verschiedene Orte der Insel lieferte.
Die Geschichte der Baumschule oder des Botanischen Gartens von Monte ist mit wenigen Worten erzählt. Der portugiesischen Regierung war bekannt geworden, dass die botanischen Forschungen von Joseph Banks und Daniel Solander im Jahr 1768 und die von Francis Masson in den Jahren 1776 und 1777 zur Entdeckung vieler wertvoller Arten auf Madeira geführt hatten. Daraufhin wies die Regierung den Gouverneur und Generalkapitän Dom Diogo Forjaz Coutinho an, nicht nur alle kürzlich entdeckten Pflanzen sammeln und an den damals von Domingos Vandelli geleiteten botanischen Garten von Ajuda senden zu lassen, sondern auch alle, denen ein wirtschaftlicher oder therapeutischer Wert zugeschrieben wurde.
Dem Ersuchen wurde über die Generalinspektoren der Landwirtschaft entsprochen. Bei dieser Gelegenheit schlug der Gouverneur Vandelli vor, auf der Insel große Baumschulen anzulegen, die nicht nur den botanischen Garten von Ajuda, sondern bei Bedarf auch die Gärten und Gewächshäuser ganz Europas versorgen sollten. Bald darauf erhielt das Zivilgouvernement (Governo Civil, Distriktsverwaltung) von Funchal von den zentralen Behörden die nötige Genehmigung, um diesen Gedanken in die Tat umzusetzen.
Am 6. Mai 1799, als Dom Diogo Forjaz Coutinho bereits verstorben war, ordnete die provisorische Regierung, die diesem Gouverneur nachgefolgt war, an, dass der Bakkalaureus (bacharel, Universitätsabsolvent) José Maria d’Affonseca einen geeigneten Ort für eine Pflanzenbaumschule auswählen solle. Am 9. August desselben Jahres erklärte dieselbe Regierung in einem weiteren Dokument, dass die für die Aufzucht der nördlichen Arten bestimmten Grundstücke in der Terra da Lombada in der Gemeinde Monte lägen und dass die südlichen Arten an den am besten geeignet erscheinenden Orten angebaut würden, solange ihnen kein eigenes Gelände zugewiesen sei. Mit der Leitung der Baumschule für die nördlichen Arten wurde derselbe José Maria d’Affonseca betraut; im Verhinderungsfall konnte ihn José Joaquim de Vasconcellos vertreten, dem die Leitung der Baumschule für südliche Gehölze obliegen sollte, die jedoch, wie wir glauben, nie eingerichtet wurde.
Wie man sieht, bestand die Baumschule von Monte bereits im August 1799 – eine Einrichtung von unbestreitbarem Nutzen, die die Insel darauf vorbereitete, die pflanzlichen Reichtümer verschiedener Teile der Welt aufzunehmen. Bis zum 10. August 1823 verteilte diese Baumschule mehr als 20.000 Bäume an verschiedene Orte auf Madeira und Porto Santo. So ist es in einem Bericht über die zugunsten der Landwirtschaft des Archipels geleisteten Arbeiten zu lesen, den der erwähnte José Maria d’Affonseca den zuständigen Behörden vorlegte.
Die Baumschule von Monte wurde 1828 von der Regierung Miguels aufgehoben, ohne dass danach jemand versucht hätte, sie wiederherzustellen. Das Dekret vom 4. Januar 1837 ordnete an, den Klosterbezirk des aufgehobenen Klosters São Francisco als Pflanzenbaumschule zu nutzen; doch offenbar geschah auch dort nichts, um ein Unternehmen zu erneuern, das hierzulande bereits so gute Ergebnisse gebracht hatte.
3Welwitschs Vorschlag für Akklimatisierungsgärten
Zu Akklimatisierungsgärten ist lediglich der Vorschlag zu nennen, den Dr. Friedrich Welwitsch, ein gelehrter österreichischer Botaniker, am 23. August 1852 der portugiesischen Regierung unterbreitete: die Gründung zweier solcher Einrichtungen, der einen in São Paulo de Luanda, der anderen in Funchal. Der in Funchal anzulegende Garten sollte nach den Worten des genannten Botanikers ein subtropischer Garten werden. Er sollte sowohl tropische Gewächse als auch Pflanzen kalter Länder aufnehmen, sie akklimatisieren und, wenn möglich, einbürgern, damit sie anschließend ohne Schaden in andere Klimazonen gebracht werden könnten.
Die Idee von Dr. Welwitsch fand zwar die Zustimmung des Überseerats (Conselho Ultramarino), wurde aber, wie hinlänglich bekannt ist, nie in die Tat umgesetzt. Erhalten sind uns jedoch Dutzende von Schreiben, die in den Büchern verschiedener Behörden verzeichnet sind. Aus ihnen geht hervor, dass unsere Amtsstellen schon um die Mitte des 19. Jahrhunderts weder mit Papier noch mit Tinte sparten, wenn sie Gutachten über Dinge abgeben sollten, von denen sie nicht das Geringste verstanden.
Hätten die Dinge Ende des 18. Jahrhunderts denselben Lauf genommen, so wäre die Baumschule oder der botanische Garten von Monte nie entstanden, aus dem Tausende von Pflanzen hervorgingen, mit denen die verschiedensten Orte der Insel wieder bepflanzt wurden (1921). Siehe Junta Agrícola, Passada da Novilha, Smith und Welwitsch.
In diesem Artikel
Zeit
Erwähnte Jahre · 07-
James Cooks Endeavour-Expedition lag vor Funchal, bevor sie nach Rio de Janeiro aufbrach; Joseph Banks und Daniel Solander sammelten Pflanzen, und der Astronom Green besuchte Madeira.
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Der Botaniker Francis Masson traf im Mai 1776 auf Madeira ein und erforschte die Pflanzenwelt der Insel bis ins Jahr 1777; dabei dokumentierte er das Guineagras.
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An der Lombada in Monte wurde eine staatliche Baumschule angelegt. José Maria de Afonseca wählte den Standort aus, der am 9. August 1799 bestimmt wurde; bis 1823–24 gab die Baumschule mehr als zwanzigtausend Bäume zur Wiederaufforstung ab.
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Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Baumschule von Monte über 20.000 Bäume verteilt.
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Die miguelistische Regierung löste die Baumschule von Monte auf.
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Ein Erlass bestimmte das Gelände des Klosters São Francisco in Funchal für eine Baumschule, offenbar ohne dass der Plan umgesetzt wurde.
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Friedrich Welwitsch schlug der Regierung die Anlage von Akklimatisierungsgärten in Luanda und Funchal vor; als Datum werden sowohl der 23. August als auch der 23. September 1852 angegeben.
Ort
Erwähnte Orte · 08Ausland
- Botanischer Garten von Ajuda
Portugal. Botanischer Garten in Lissabon, den die Baumschulen beliefern sollten.
Botanischer Garten in Lissabon, den die Baumschulen beliefern sollten.
- Funchal
Regierungssitz und vorgeschlagener Standort eines Akklimatisierungsgartens.
Die Hauptstadt des Archipels und Sitz des wichtigsten Kapitanats, wo die Besiedlung begann; um 1451–52 wurde der Ort zur Kleinstadt erhoben. Seine Bucht, die größte des Archipels, liegt zwischen Ponta do Garajau und Ponta da Cruz und bietet einen geschützten Ankerplatz, obwohl der Hafen nie ozeanografisch untersucht worden war. Das Elucidário behandelt Funchal als Kurort mit Klimadaten und berichtet über die Unruhen im Januar 1906, den Besuch des dänischen Prinzen im Mai 1846 und junge Vulkankegel in der Umgebung.
- Kloster St. Franziskus
Funchal. Das Gelände des Klosters wurde durch den Erlass von 1837 als Baumschule ausgewiesen, jedoch mit geringer Wirkung.
Das Kloster St. Franziskus war ein 1473 gegründetes Franziskanerkloster in Funchal. Im Jahr 1508 markierte es die Westgrenze der Stadt. Seine Kirche wurde 1865 abgerissen; ihre Ausstattung, Bücher, Grabplatten und Gebeine gelangten auf den Friedhof von Angústias, ins Museum und in die Stadtbibliothek. Die Klostergebäude dienten bis 1836 kurzzeitig als Gefängnis und beherbergten 1857 die Polizei.
- Lombada
Funchal. Standort der 1799 angelegten Baumschule für Arten aus nördlichen Regionen.
Lombada ist ein Ortsteil der Gemeinde Monte im Kreis Funchal auf Madeira. Dort befand sich die 1799 angelegte Baumschule für nördliche Pflanzenarten.
- Luanda
Angola. Vorgeschlagener Standort von Welwitschs zweitem Akklimatisierungsgarten.
Stadt in Angola, die als Verbannungsort und als von Welwitsch vorgeschlagener Standort für Akklimatisierungsgärten erwähnt wird. Arsenio do Carpo wurde dort ein wohlhabender Kaufmann, und Vitorino José dos Santos leitete die städtischen öffentlichen Arbeiten.
- Monte
Funchal. Gemeinde, in der sich die Baumschule befand.
Die Gemeinde Nossa Senhora do Monte liegt oberhalb von Funchal auf etwa 600 m Höhe. Dort setzt der Blattaustrieb später ein als in Funchal. Zur Gemeinde gehören die Ortsteile Jardim Botânico, Igreja und Marmeleiros sowie die Quinta de Santana. Das Elucidário erwähnt ihre zahlreichen Pflanzen, darunter Akazien und Sonchus fruticosus.
- Porto Santo
Erhielt Bäume aus der Baumschule in Monte.
Eine Insel des Archipels, die zugleich mit Madeira besiedelt wurde und eines der drei Kapitanate bildete. Sie war stets eine einzige Gemeinde, deren Kirche Nossa Senhora da Piedade geweiht und wiederholt geplündert wurde. Das Elucidário berichtet vom Überfall maurischer Piraten im Jahr 1617, von der eigenen Misericórdia der Insel und von einem auf dieser von Dürre bedrohten Insel angelegten Regenwasserkanal.
- Quinta do Jardim Botânico
Funchal. Landgut auf dem Gelände der ehemaligen Baumschule, nach dieser benannt.
Landgut auf dem Gelände einer ehemaligen Baumschule, nach der es benannt wurde.
Personen
Erwähnte Personen · 09-
Gouverneur und Generalkapitän von Madeira, der große Pflanzschulen auf der Insel vorschlug; im Mai 1799 war er bereits verstorben.
- Daniel Solander1736–1782
Botaniker, der 1768 gemeinsam mit Joseph Banks Madeira erforschte.
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Botaniker und Leiter des Botanischen Gartens von Ajuda, dem der Vorschlag für die Pflanzschule auf Madeira unterbreitet wurde.
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Pflanzensammler, der Madeira 1776 und 1777 erforschte.
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Österreichischer Botaniker, der 1852 Akklimatisierungsgärten in Luanda und Funchal vorschlug.
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Zum stellvertretenden Leiter der Pflanzschule von Monte und zum Leiter der geplanten Pflanzschule für südliche Arten bestimmt; Letztere wurde offenbar nie eingerichtet.
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Hochschulabsolvent, der den Standort der Pflanzschule auswählte, die Pflanzschule von Monte leitete und über ihre Arbeit bis 1823 berichtete.
- Joseph Banks† 1820
Englischer Naturforscher, dessen botanische Erkundung Madeiras 1768 wertvolle Arten zutage förderte.
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Portugiesischer Herrscher, dessen Regierung 1828 die Baumschule in Monte aufhob.