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Elucidário Madeirense Startseite
Artikel Nr. 3781 Bevölkerung und soziale Gruppen Bd. III · S. 705–706 2 Min. Lesezeit

Vilão

Erläutert „vilão“, die auf Madeira übliche Bezeichnung für die Landbevölkerung der Insel, die Bewohner von Funchal oft abwertend verwenden, und beschreibt die Abgeschiedenheit, den Analphabetismus und die Abhängigkeit der Bauern von Grundbesitzern sowie ihren friedfertigen, arbeitsamen Charakter.

Vilão

Der Begriff und die madeirischen Bauern

Mit diesem Ausdruck bezeichnet man bei uns allgemein die Landbewohner dieser Insel. Fast immer verbindet sich mit dem Wort ein abwertender Sinn, denn der Bewohner von Funchal hält den Bauern für sozial und geistig weit unter sich stehend, wobei er ihm in den meisten Fällen offenkundiges Unrecht tut. Der Bewohner unserer ländlichen Gegenden ist unwissend, derb und abergläubisch, ebenso wie der in den Provinzen des Festlands und auf den Azoren. Verglichen mit den Bauern der stadtnahen Gemeinden und mit einer beträchtlichen Zahl der Stadtbewohner selbst steht er jedoch nicht zurück und hat ihren Grad an Zivilisation nicht zu beneiden – außer vielleicht in seiner Kleidung.

Die Landbewohner Madeiras, fast ausnahmslos Analphabeten, leben sehr abgeschieden in Gehöften, die weit verstreut an den Berghängen liegen. Dörfer kennt man bei uns nicht, abgesehen von kleinen und wenig bevölkerten Kleinstädten. So sind sie von jedem gesellschaftlichen Umgang völlig abgeschnitten und den zivilisierenden Einflüssen der großen Bevölkerungszentren entzogen. Ihre Unwissenheit und die fast völlige Abgeschiedenheit, in der sie leben, machen sie im Umgang mit den Herren und den Stadtbewohnern verschlossen und misstrauisch. Hinzu kommt eine natürliche Schüchternheit, die zum guten Teil aus der völligen und bisweilen despotischen Abhängigkeit erwachsen ist, in der sie jahrhundertelang von den Majoratsherren und Grundherren standen; diese besaßen zeitweise zwei Drittel des Ackerlandes Madeiras. Deshalb nennt man unsere Landleute verschlagen. Wie wir schon an anderer Stelle sagten, wird allgemein anerkannt, dass die Landbewohner friedlich und ordnungsliebend sind. Zum allergrößten Teil der Feldarbeit ergeben, die hier wegen der besonderen Bodenverhältnisse sehr hart und mühsam ist, schuften sie vom Morgengrauen bis zum Einbruch der Nacht, meist sorglos und gleichgültig gegenüber allem, was nicht zur unablässigen Mühe ihres arbeitsamen Daseins gehört. Ob sie in knapper Bescheidenheit oder in leidlichem Wohlstand leben – ihr Leben verläuft ruhig und gelassen, und sie finden sich ganz mit ihrer Lage ab.

In diesem Artikel

Ort

Erwähnte Orte · 03
Karte: Europa (2)
  1. Azoren

    Portugal. Die Bauern der Azoren werden mit denen Madeiras verglichen.

  2. Portugiesische Festland

    Portugal. Die Bauern auf dem portugiesischen Festland werden mit denen Madeiras verglichen.

Auf dem Bogen V

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