Vilão
Erläutert „vilão“, die auf Madeira übliche Bezeichnung für die Landbevölkerung der Insel, die Bewohner von Funchal oft abwertend verwenden, und beschreibt die Abgeschiedenheit, den Analphabetismus und die Abhängigkeit der Bauern von Grundbesitzern sowie ihren friedfertigen, arbeitsamen Charakter.
Der Begriff und die madeirischen Bauern
Mit diesem Ausdruck bezeichnet man bei uns allgemein die Landbewohner dieser Insel. Fast immer verbindet sich mit dem Wort ein abwertender Sinn, denn der Bewohner von Funchal hält den Bauern für sozial und geistig weit unter sich stehend, wobei er ihm in den meisten Fällen offenkundiges Unrecht tut. Der Bewohner unserer ländlichen Gegenden ist unwissend, derb und abergläubisch, ebenso wie der in den Provinzen des Festlands und auf den Azoren. Verglichen mit den Bauern der stadtnahen Gemeinden und mit einer beträchtlichen Zahl der Stadtbewohner selbst steht er jedoch nicht zurück und hat ihren Grad an Zivilisation nicht zu beneiden – außer vielleicht in seiner Kleidung.
Die Landbewohner Madeiras, fast ausnahmslos Analphabeten, leben sehr abgeschieden in Gehöften, die weit verstreut an den Berghängen liegen. Dörfer kennt man bei uns nicht, abgesehen von kleinen und wenig bevölkerten Kleinstädten. So sind sie von jedem gesellschaftlichen Umgang völlig abgeschnitten und den zivilisierenden Einflüssen der großen Bevölkerungszentren entzogen. Ihre Unwissenheit und die fast völlige Abgeschiedenheit, in der sie leben, machen sie im Umgang mit den Herren und den Stadtbewohnern verschlossen und misstrauisch. Hinzu kommt eine natürliche Schüchternheit, die zum guten Teil aus der völligen und bisweilen despotischen Abhängigkeit erwachsen ist, in der sie jahrhundertelang von den Majoratsherren und Grundherren standen; diese besaßen zeitweise zwei Drittel des Ackerlandes Madeiras. Deshalb nennt man unsere Landleute verschlagen. Wie wir schon an anderer Stelle sagten, wird allgemein anerkannt, dass die Landbewohner friedlich und ordnungsliebend sind. Zum allergrößten Teil der Feldarbeit ergeben, die hier wegen der besonderen Bodenverhältnisse sehr hart und mühsam ist, schuften sie vom Morgengrauen bis zum Einbruch der Nacht, meist sorglos und gleichgültig gegenüber allem, was nicht zur unablässigen Mühe ihres arbeitsamen Daseins gehört. Ob sie in knapper Bescheidenheit oder in leidlichem Wohlstand leben – ihr Leben verläuft ruhig und gelassen, und sie finden sich ganz mit ihrer Lage ab.
In diesem Artikel
Ort
Erwähnte Orte · 03- Azoren
Portugal. Die Bauern der Azoren werden mit denen Madeiras verglichen.
Die Azoren sind eine Inselgruppe im Atlantik, die Pflanzenarten mit Madeira gemeinsam hat. Das Elucidário verzeichnet dort die Ansiedlung madeirischer Familien wie der Bettencourts, das Verbot azorischer Weine auf Madeira im Jahr 1801 und die Einfuhr azorischen Tabaks. Es hält außerdem fest, dass Bauern von den Azoren nach Madeira geholt wurden, um Methoden des Maisanbaus zu vermitteln.
- Portugiesische Festland
Portugal. Die Bauern auf dem portugiesischen Festland werden mit denen Madeiras verglichen.
Das portugiesische Festland. Dem Elucidário zufolge stammte sämtliches auf Madeira verwendetes Stempelpapier von dort, und die Madeirische Allianz genoss dort einen guten Ruf. Außerdem vergleicht das Werk die Bauern der festländischen Provinzen mit denen Madeiras.