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Lavakanäle 1Entstehung von Lavaröhren
Artikel Nr. 0757 Geologie und Mineralogie Bd. I · S. 442–443 2 Min. Lesezeit

Lavakanäle

Originaltitel: Canais de Lava

Beschreibt Lavaröhren (Lavakanäle) in den jüngeren Basaltströmen Madeiras, erklärt ihre Entstehung und nennt Beispiele wie die Höhle nahe der Mündung der Ribeira de São Vicente und den eingestürzten Lavakanal des Fojo bei Funchal.

Lavakanäle

1Entstehung von Lavaröhren

In verschiedenen Teilen Madeiras finden sich Grotten im Basaltlava-Gestein, meist jüngsten Datums. Sie entstanden durch denselben Mechanismus, der in bestimmten Vulkangebieten der Erde, etwa auf den Azoren und den Sandwichinseln, ähnliche Formationen hervorgebracht hat.

Ein schmaler, noch flüssiger Lavastrom, eingebettet in Schlamm oder Schlacken, glitt einen Hang oder eine Schlucht hinab. Seine Außenseite verlor dabei durch Abstrahlung einen Großteil der Wärme und erstarrte, während der Kern eine noch so hohe Temperatur behielt, dass er dank seiner Fließfähigkeit weiterströmen konnte.

So entstand ein Kanal, bei dem Hülle und Inhalt aus demselben Stoff bestanden und sich im Wesentlichen nur durch die unterschiedliche Temperatur unterschieden. War der zähflüssige Kern ausgeflossen, blieb diese Art vulkanischer Röhre zurück. Das vollkommenste Beispiel dafür auf Madeira ist die Höhle nahe der Mündung der Ribeira de São Vicente (‚Bach des heiligen Vinzenz‘), die etwa 80 Meter lang und etwa 4 bis 5 Meter breit sein dürfte.

2Weitere Beispiele und Merkmale

Auch im Montado dos Pessegueiros (‚Pfirsichbaumhain‘), einem Ortsteil derselben Gemeinde (freguesia) São Vicente, und in Porto Moniz (‚Hafen des Moniz‘) gibt es solche Kanäle in jungen Lavaströmen. An der Südküste, sowohl östlich als auch westlich von Funchal, sind ebenfalls Spuren derartiger Tunnel zu beobachten, die größtenteils auf Meereshöhe liegen.

Der Fojo (‚Fallgrube‘), ein tiefer Schlund, der hinter der Küstenlinie und ein wenig östlich der Ponta da Cruz (‚Kreuzspitze‘) in den mürben Tuff gegraben ist, scheint das Ergebnis von Erosion und vom Einsturz eines vulkanischen Kanals zu sein, der in fernen Zeiten hier verlief und ins Meer mündete. Seine Trümmer, heute wirr zu Blöcken geschwärzter Lava aufgehäuft, zeigen geglättete Oberflächen mit den langen, parallelen Riefen, die für die Wände von Lavatunneln kennzeichnend sind. Das Meerwasser, das durch eine nahe gelegene, von der Brandung ausgewaschene Höhle eindrang und die Felsen unter dem Kanal zernagte, dürfte den erwähnten Einsturz verursacht haben. Dabei half ihm das Regenwasser, das in die Grube strömt, den Tuff abträgt und ihren Umfang erweitert.

Zwischen dem Fojo und der Ponta Gorda (‚dicke Spitze‘), nicht weit von der Muralha dos Franceses (‚Franzosenmauer‘), finden sich ähnliche Spuren weiterer eingestürzter Kanäle, die wie der des Fojo von gelbem Tuff aus vulkanischem Schlamm umgeben sind.

Von der Decke einiger dieser Tunnel hängen, Stalaktiten gleich oder Bologneser Tränen ähnelnd, eigentümliche Auswüchse aus glasiger Lava herab, die von der Dünnflüssigkeit des Gesteins unter der Einwirkung sehr hoher Temperaturen zeugen. Durch Größe und bizarre Form bemerkenswerte Exemplare solcher Auswüchse wurden in einer Grotte der Ribeira da Janela (‚Fensterbach‘) gefunden.

In diesem Artikel

Ort

Erwähnte Orte · 11

Ausland

Karte: Madeira (11)
  1. Azoren

    Portugal. Als Vulkanregion mit ähnlichen Lavaröhren erwähnt.

  2. Fojo

    Funchal. Tiefe Grube im Tuff, die vermutlich eine eingestürzte Lavaröhre ist.

  3. Funchal

    An der Küste östlich und westlich der Stadt finden sich Spuren von Lavaröhren.

  4. Montado dos Pessegueiros

    Porto Moniz. Ort mit Lavaröhren in jungen Lavaströmen.

  5. Muralha dos Franceses

    Santana. In der Nähe sind eingestürzte Lavakanäle zu sehen.

  6. Ponta da Cruz

    Funchal. Der Fojo liegt ein Stück östlich dieser Landspitze.

  7. Ponta Gorda

    Santana. Zwischen ihr und dem Fojo liegen Überreste eingestürzter Lavaröhren.

  8. Porto Moniz

    Ort mit Lavaröhren in jungen Lavaströmen.

  9. Ribeira da Janela

    Porto Moniz. Eine Höhle hier barg bemerkenswerte Tropfgebilde aus glasiger Lava.

  10. Ribeira de São Vicente

    São Vicente. Nahe ihrer Mündung liegt die am besten erhaltene Lavaröhre Madeiras; sie ist etwa 80 m lang.

  11. Sandwichinseln (Hawaii)

    United States. Als Vulkanregion mit ähnlichen Lavaröhren erwähnt.

Auf dem Bogen C

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